17.01.2012
„10 Jahre ELTERNTALK mit Herz und Hirn“ – ELTERNTALK und neue Erkenntnisse der Hirnforschung
Potentialentfaltung geschieht, wenn Menschen eingeladen, ermutigt und inspiriert werden. (Prof. Dr. Gerald Hüther)
Seit 2001 laden Eltern Eltern zum Erfahrungsaustausch bei ELTERNTALK ein. Dabei sind die Themen Medien, Konsum und Suchtvorbeugung im Erziehungsalltag unvermindert bedeutsame Themen für Eltern.
Eine einladende, gastfreundliche Atmosphäre und eine dialogische Gesprächskultur sind zwei wichtige Grundprinzipien des erfolgreichen Präventionsangebotes.
Viele Gäste waren auch 2011 wieder vom ELTERNTALK begeistert. Eine Mutter aus Südafrika sagt: „Ich lerne kreativ Probleme zu lösen“ und „Ich bin froh, mit anderen Eltern Ideen zu tauschen“. Zwei Mütter griechischer Herkunft resümieren schlicht: „Wir finden ELTERNTALK super.“ Eine junge 28-jährige Mutter aus Guinea kommt zum sechsten Mal zu ELTERNTALK. Sie hat von Freunden und Bekannten von ELTERNTALK gehört und empfiehlt ihn nun selbst weiter, weil er „sehr interessant“ ist. Auch der soziale Aspekt wird immer wieder rückgemeldet: „ELTERNALK“, so eine Kenianerin, „ist nicht nur wichtig zur Problemlösung, sondern auch zum Freundschaft knüpfen.“
Knapp 8000 Mütter und Väter aus 52 verschiedenen Herkunftsländern nahmen 2010 in Bayern an ELTERNTALK teil.
94 Prozent der Gäste aus allen Herkunfts- und Bildungsmilieus gaben 2010 an, dass sie den ELTERNTALK weiterempfehlen möchten. Weitere Projektdaten finden Sie in der Internen Evaluation 2010 unter www.elterntalk.net.
Immer wieder werden die Projektleiterinnen Angelika Schmiedt da Silva und Elisabeth Ziesel gefragt, wie ELTERNTALK es schafft, auch Eltern zu erreichen, die sich bei institutionell gebundenen Formen der Elternbildung eher zurückhalten. Einige Antworten finden sich in den zahlreichen Projektpräsentationen der letzten 10 Jahre: Schlüsselpersonen, zeitliche und örtliche Flexibilität, Einsatz von Bildern statt Texten, Muttersprachliches Angebot, der Peer-to-Peer-Ansatz, ein Angebot auf Augenhöhe, die aufsuchende Komm-struktur, etc.
Nun können auch die neueren Erkenntnisse der Hirnforschung bei der Klärung der Frage helfen, warum Eltern aller Herkunfts- und Bildungsmilieus seit 10 Jahren gerne einmal oder öfter zu den ELTERNTALK-Gesprächsrunden kommen.
Die moderne Hirnforschung, so Prof. Dr. Gerald Hüther, Professor für Neurobiologe, Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen und des Instituts für Public Health der Universität Mannheim/Heidelberg, hat wissenschaftlich ergründet:
„Alles, was Menschen hilft, was sie einlädt, ermutigt und inspiriert, eine neue, andere Erfahrung zu machen als bisher, ist gut für das Hirn und damit gut für die Gemeinschaft. Die Wissenschaft nennt diesen Prozess Potenzialentfaltung.“ (www.gerald-huether.de, Webseitenabruf am 16.01.2012)
Seinen Vortrag „Was uns prägt, Wissen oder Erfahrung“ auf dem Deutschen Präventionstag, am 11.Mai 2010 in Berlin, beginnt Prof. Dr. Hüther mit den fast provokanten Worten: „Wer immer noch glaubt, dass man im Hirn irgendwelche großen Veränderungen bewirken könne, dadurch, dass man den Leuten erzählt, wie man`s machen muss, dass man sie aufklärt, dass man ihnen Wissen vermittelt, der wird jetzt gleich eines besseren belehrt ...“
Er betont wiederholt am 15. Deutschen Präventionstag, wie wichtig es ist, dass Menschen „eingeladen, ermutigt und inspiriert“ werden müssen, gerade in der Bildungsarbeit. Und, „...dass sich Menschen begeistern müssen, damit neue Lernerfahrungen möglich werden. Und begeistern können sich Menschen, wenn etwas für sie bedeutsam ist...“ (www.praeventionstag.de, Webseitenabfruf am 16.01.2012)
Aus Forschersicht macht das Präventionsangebot ELTERNTALK folglich einiges recht „hirngerecht“:
ELTERNTALK lädt ein. Er ermutigt Eltern zum Erfahrungsaustausch, er schafft eine gastfreundliche und soziale Atmosphäre. Die ELTERNTALK-Themen sind für die Eltern wichtig und bedeutsam. Und über die Jahre lässt sich eines sicher feststellen: Immer wieder lassen sich Mütter und Väter in den dialogischen Gesprächsrunden wirklich begeistern und engagieren sich selbst aktiv im Projekt, sei es als Gast, als Gastgeberin, Moderatorin, pädagogische Regionalleitung oder Standortpartner.
Text:
Projektleitung Angelika Schmiedt da Silva